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An was ich als Typ-I Diabetiker ständig denken muss!! ........

 

oder


.... der Weg zur diabetischen Pyramide

 

Bei einer unseren Treffen diskutierten wir über einen Bericht (Editorial) in der amerikanischen Diabetes-Zeitschrift „Diabetes Forcast“ Ausgabe Dez. 2004. Der Inhalt war eine persönliche Meinung über die 10 wichtigsten Dinge, an die ein Diabetiker ständig denken muss.

Sinngemäß übersetzt mit der Reihenfolge nach der Wichtigkeit:

 

1     Hba1- und Blutfettwerte

2     Rauchen

3     Medikamente

4     Sport

5     Gewicht

6     Fette/Diät

7     Obst/Gemüse

8     Füße

9     Blutzucker-Werte

10   Informationen

Da wir in der folgenden Diskussion mit dieser Reihenfolge ganz und gar nicht einverstanden waren, haben wir diese sortiert und mit eigenen Punkten angereichert. Den Punkt „Rauchen“ haben wir aus der Liste entfernt, da wir der Meinung waren, dass das Rauchen und Diabetes ein Widerspruch an sich ist. Beim Zusammenfassen stellten wir fest, dass sich daraus noch weitere Gruppierungen ergaben.

 



Ziele

Damit meinten wir nicht nur die Ziele die mit dem behandelnden Arzt im Diabetes-Pass festgelegt worden sind (HBA1c, Fette, Blutdruck, Gewicht, ...). Genau so wichtig schätzten wir die Ziele der Lebensfreude und – Qualität ein. Dies wurde heiß diskutiert mit unterschiedlichsten Meinungen. Das kann bei dem einen eine glückliche, harmonische Partnerschaft bedeuten, bei anderen der Spaß am Leben, tun und lassen zu können, was man will, oder in fremde Länder reisen. Dritte wiederum legen besonderen Wert darauf, essen und trinken zu können, wann und soviel sie wollen - oder eben mal gar nichts zu essen.

Das tägliche Handeln

An das, was der Diabetiker täglich denken muss und sein (diabetisches) Handeln beeinflusst, sind...


...Werkzeuge, wie Medikamente, (Insulin, Tabletten, ...), Hilfsmittel (Pumpe und -Zubehör, Pen, BZ-Messgeräte und Streifen, Tagebuch, ..), Traubezucker , Not-BE, ..


...Blutzucker-Werte aktuell, die Situationseinschätzung und Entscheidungen des diabetischen Handelns,...


... Essen. Nicht nur wie viel man essen kann ( bei x Insulin) und wie das Essen wirkt, oder ob das Essen schmeckt, aber auch „kann ich mir das bei meinem Gewicht erlauben“.


...körperliche Aktivitäten, z.B. will ich mir noch Sport gönnen oder doch lieber No-Sports genießen. Aber auch wie wirkt sich die Arbeit oder Sport aus, selbst wenn diese Aktivitäten Stunden zurück liegen. Und auch der Umgang mit der schönsten Bewegungsart, die es zwischen Menschen gibt :-) ... Zu den körperlichen Aktivitäten Bewegung zählen wir den Stress mit all seinen negativen Auswirkungen.


Diese vier Bereiche müssen in der jeweiligen Situation eingeschätzt und Entscheidungen getroffen werden.

Wissen wie ...(Knowhow)

Als Grundlage des diabetischen Handelns ist ein fundiertes Wissen notwendig. Dazu gehören nicht nur Schulungen, Ärzte (Diabetologen), Informationen über Diabetes, und Diabetes-Zeitschriften, sondern auch eine Selbsthilfegruppe zur Umsetzung und Übersetzung des Knowhows. Denn manches Schulwissen ersetzt nicht die Erfahrung mit dem Umgang bewusster oder unbewusster Fehler und dem „inneren Schweinhund“.



Die Diabetes-Pyramide


Danach wurde heftig diskutiert, wie man dieses Ergebnis der Diskussion darstellten könnte. Wir haben uns für eine Pyramide mit drei waagrechten Ebenen entschieden.

 

 In der oberen Ebene als Spitze der ganzen Diabetes-Pyramide stellen wir uns die Ziele mit den festgelegten Werten und den Lebensqualitäten vor.

 

In der mittleren wagrechten Ebene legen wir das „Tägliche Denken und Handeln des Diabetikers“ mit seinen vier Bereichen der Werkzeuge, Blutzuckerwerte, Essen und Bewegung fest.

 

In der unteren Ebene wird als Basis des diabetischen Handelns das diabetische Knowhow, das „Wissen wie“ dargestellt.

Der Rahmen der Pyramide besteht aus der Diabetes-Akzeptanz, denn wenn diese nicht vorhanden ist oder (zeitweise) verloren geht, nützen all das Wissen, KnowHow und die Ziele nichts.


Dazu ein „roter Blitz“ für das nicht einzuordnende Rauchen, der unserer Meinung nach das ganze Dreieck bedroht bzw. in Frage stellt.

 

 

Die Überprüfung der Ergebnisse
In den nächsten Treffen wurden bestimmte Erlebnisse anhand unserer Diabetespyramide eingeordnet. Ziel war es einerseits, mit den Gruppenmitgliedern Lösungsvorschläge zu erarbeiten, anderseits die Aussagefähigkeit unseres Dreiecks zu überprüfen. Dabei stellten wir fest, dass jede Situation mit Hilfe der Pyramide schnell analysiert und die Ursachen eingegrenzt werden konnte. Somit ergaben sich rasch neue Lösungswege.


Hierzu ein Beispiel: Ein Pumpenträger unserer Gruppe hat des öfteren unerklärlich schlechte Werte und BZ-Anstiege. Wir fragten erst nach den Situationen, nach seinen Werten und Entscheidungen. Es zeigten sich aber keine eindeutigen Fehler. Erst nach längerer Diskussion kristallisierte sich als kritischer Zeitpunkt zweite Tag nach dem Kathederanlegen heraus. Ein möglicher Zusammenhang ergab sich durch die Frage nach der Kathederart: Es war ein Metallkatheder. Aus unserem Kreis kam der Hinweis, dass es evtl. damit zu tun haben könnte und dass er doch mal einen Teflonkatheder wegen der besseren Resistenz testen sollte. Dies war dem Betreffenden nicht bewusst. Beim nächsten Treffen stellte sich die Vermutung als richtig heraus.
Der Vergleich der Diskussion mit unserer Pyramide ergab, dass das tägliche Denken des Pumpenträgers und seine Entscheidungen auf Basis seines Wissens richtig waren. Aber da das Wissen über die Kathederproblematik nicht präsent war, eben die Basis der unteren Pyramide, konnte es zu den nicht kalkulierbaren Auswirkungen kommen. Erst der Hinweis aus der Gruppe und somit ein Kowhow-Aufbau konnte das Problem unseres Pumpenträgers lösen, indem er das richtige Werkzeug auswählte. Damit war auch sein langfristiger HbA1-Zielwert (in unserer Pyramidenspitze) wieder erreichbar.

 

Diabetes-Akzeptanz
Ein weiteres Problem wird anhand der Pyramide sehr deutlich: Eine gute Diabeteseinstellung ohne die Akzeptanz des Diabetikers ist trotz gutem Diabetes-Know-How und dem Wissen über das richtige Denken und Handeln schier unmöglich.
Selbst bei einem „Glyklichen“ unserer Gruppe gab es den zeitweiligen Verlust der Diabetes-Akzeptanz. Aus unserer Erfahrung half hier die Pyramide: Wir erkannten in kurzer Zeit, dass es kein Problem des fehlenden Wissens war, sondern dass eine Diskrepanz zwischen den Zielen und dem täglichen Handeln bestand und diese nicht akzeptiert wurde. Hier konnte die Stärkung der Akzeptanz durch das Prüfen/Korrigieren der Ziele oder aber das Anpassen des täglichen Handelns (z. B. Tagesabläufe) erreicht werden.
Besonders ist uns dieser Zusammenhang in mehreren Diskussionen mit/über jugendliche Diabetiker und deren Akzeptanzprobleme auffallen, nachdem wir unsere eigenen „jugendlichen“ Akzeptanz-Vergangenheiten anhand der Diabetes-Pyramide verglichen.


Diabetes-Akzeptanz - nicht nur abendfüllendes Thema, zumal dabei das persönliche Umfeld durch fehlende Akzeptanz des Diabetikers sehr darunter leidet und dieser Situation fast hilflos gegenüber steht. Es gibt aber auch die Konstellation der fehlenden Akzeptanz im Umfeld des Diabetikers, an der sich manchmal auch sehr schwer etwas ändern lässt.


Wir freuen uns, wenn ihr eure Meinung, Fragen oder Anregungen zu diesem Bericht mitteilen könnt (z.B. über "Kontakt") oder ihr kommt zu einem unserer regelmäßigen Treffen.